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Weil ich es den Träumen schulde

Der kleine Vogel, der fliegen möchte. Weit hinauf.

Erst ist er da im Nest, und die Vogeleltern zwitschern aufgeregt “Bleib in Sicherheit“.
Dann sind da die anderen seiner Art, die immer in Sichtweite bleiben. Also tut er es auch. Er fliegt, wohin sie fliegen, und sieht, was sie sehen; und doch fühlt er sich nicht zugehörig.
Und schließlich kommt jemand, der mit ihm fliegt. In Sichtweite. Im Kreis. Er ist nicht mehr allein. Der kleine Vogel fügt sich dem Partner, er wirds schon wissen. Doch er fühlt sich noch immer allein.
Vielleicht der nächste Partner? Andere Sicht, in Sichtweite?
Wieder und wieder tut er das, bis er vergessen hat, wie weit er hinauf wollte. Bis sein Herz keine Begeisterung mehr spürt. Bis er nicht mehr weiß, was Freiheit ist.

Dann kommt einer von weit her und erzählt von der Welt, den Winden und Gerüchen. Der kleine Vogel fühlt ein Kribbeln in sich, das nicht mehr verstummt.
Und wieder kommt einer von weit her und erzählt, dieses Mal von anderen Vogelarten und deren Unarten. Der kleine Vogel kichert. Das Kribbeln wird lauter.
Und wieder kommt einer, der erzählt von Freiheit und Liebe und für eine Weile fliegen sie zusammen. Aus der Sichtweite. Der kleine Vogel fühlt, wieweit er die Flügel spreizen kann und will und staunt. So weit!! So viel Kraft!!

Und schließlich kommt der Tag, da breitet er ganz allein seine Flügel aus und sieht sich um. Auf dem höchsten Ast sitzt er, ist aus dem Nest ausgebrochen und hat alle Stimmen hinter sich gelassen. Aufgeregt hüpft er auf und ab. Mit glänzenden Augen sieht er, was er gern hat, aber ihn nicht halten kann, liebevoll an. Er schüttelt das Gefieder einmal, zweimal, und lässt los, was ihn zurückhält, was ihm wie Ballast erscheint. Wie Tränen im Wind fliegt all das weg.

Endlich holt er einmal tief Luft und öffnet sein Herz. Und fliegt tatsächlich den Wolken entgegen.

P.S.: Für C, danke für die Inspiration 🙂

Author: carasmelody

daydreamer, hopelessly hopeful, I love the power of words, I love poems, words are soulfood

5 thoughts on “Weil ich es den Träumen schulde”

  1. Grüß dich Cara
    Lebendig und berührend geschrieben. Habe mich einen Moment wie dieser kleine Vogel gefühlt.So fühlt sich Freiheit an. Da möchte man direkt, die eigenen Flügel ausbreiten und sich in die Freiheit stürzen.
    Lg Robert 🙂

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      1. Das vielleicht denke ich, können wir getrost weg lassen. Leben ist zum leben gedacht.

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