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Fantasiereise

*** nur lesen wer schräge Sachen mag *** und offenes Herz hat ***

Ich sitze am westlichen Teil des Grand Canyons und sehe in die unendlich erscheinende Tiefe. Die Erdfarben des Gesteins verändern sich, jede horizontal gebrochene Schicht ist anders. Jede einzelne Schicht hat eine ihr eigene Stimme, eine eigene Geschichte. Wenn ich die Augen schließe, die von der strahlenden Sonne geblendet sind, kann ich die alt wirkenden Stimmen flüstern hören. Nicht laut genug, um einen konkretem Inhalt zu verstehen, aber ein langsam wachsendes Gefühl.

Warten auf den Sturm?

Auf einmal wird eine lauter und ein starker Wind geht auf. Ich öffne die Augen wieder und betrachte schmunzelnd das Spektakel, das sich vor mir abspielt. Die schwarzen Raben, die am Rand der Schlucht auf Felsbrocken aufgereiht abgewartet haben, stürzen sich begeistert schreiend in den Abgrund und verschwinden aus meinem Sichtfeld. Sekunden später schnellen sie plötzlich hoch; getrieben von einem wundersamen Aufwind und ihrem Spieltrieb, kreisen sie kurz über meinem Kopf, um sich dann wieder den Lüften hinzugeben. Ich wünschte, ich könnte mit ihnen fliegen. Was würde ich wohl alles sehen? Wie es sich anfühlt, sich dem Wind anzuvertrauen, und dem eigenen Können?

Wilder und wilder kreisen die Vögel, immer lauter werden ihre Schreie. Es ist Bewegung in der Luft, die Energie des Spiels verändert sich, ist angespannter. Die Raben gehen nicht mehr im Sturzflug in die Tiefe; sie gleiten über dem rauen Stein, auf dem ich sitze.

Ich spüre sanften Wind im Rücken, der mich von innen wärmt und innehalten lässt. Was kommt da aus der Schlucht? Ich wage es nicht, mich umzudrehen, aber Angst hab ich keine. Ich schließe die Augen und lausche den Stimmen, die eine immer wiederkehrende Abfolge von Tönen von sich geben. Ich kenne sie, summe sie fröhlich mit. In mir beginnt etwas sich zu regen, ein altes Wissen. Ich spüre die Präsenz einer Macht, die nicht von dieser Welt ist, aufsteigen und mich wie kreisförmige Winde umgeben. Sie kitzeln meine Nase und zerzausen meine Locken, reißen einzelne Strähnen aus der Spange.

So nah am Abgrund, möchte ich nicht aufstehen von meinem warmen Stein in sicherem Abstand von der abfallenden Klippe. Dennoch tue ich es und weiß, es ist ok. Neugierig trete ich an den Rand, begleitet von Winden und Stimmen, die älter sind als mein Verstand. Mein Blick geht nicht nach unten, sondern richtet sich in die Ferne. Hinter mir höre ich es flattern, Sand wird aufgewirbelt und trübt meine Sicht für einen Moment; das Gefühl, dass ich nicht alleine bin und es niemals war, wird stärker.

Etwas stupst mich an der Schulter und gibt mir Wärme und Halt. Vertrauensvoll lehne ich meinen Kopf seitlich an die Schnauze. Es umgibt mich eine innere Ruhe und ich atme zufrieden aus. Und erinnere mich.

dav

Author: carasmelody

daydreamer, hopelessly hopeful, I love the power of words, I love poems, words are soulfood

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