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Perspektivenwechsel: Beziehung statt Kritik?

… oder Weiterentwicklung statt Augen verdrehen

Beim letzten Mal Tanzen bin ich mit meinem Tanzpartner an eine Grenze gestoßen: Die Männer sollten in der Figur unter den Armen der Frau durchtauchen und möglichst nicht in deren Dekoletee enden. Irgendwie klang es leicht, ich als Frau durfte gnädigerweise eh Grundschritt tanzen 🙂 Den Männern fiel es eher schwer, sie hatten ja auch mehr Schritte und so weiter und es hat sich bei uns furchtbar unflüssig angefühlt, um ehrlich zu sein. Ich dachte, macht nix, üben wir halt?!Er wurde immer verbissener und ich hab mich immer unwohler gefühlt. Unser Tanzlehrer ging herum und gab Hilfestellungen, auch bei uns. Mein Tanzpartner wurde an dieser Stelle total verkrampft und hat fast schon respektlos grantig auf das Feedback reagiert. Anschließend hat er auf meinen Kommentar hin, der Lehrer wolle ja nur helfen, über dessen Art von Feedback geschimpft und war eher unleidlich.

Diese Situation hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich persönlich fand das Feedback des Tanzlehrers neutral und hilfreich und nachvollziehbar – sowohl heute als auch an den unzähligen Tagen, an denen ich eine Figur nicht sofort gut umsetzen konnte (in der Theorie ist ja eh immer alles easy 😉 ). Warum hat mein Partner also so negativ auf etwas reagiert, das ich heute und auch sonst als positiv empfunden habe?

Seine Reaktion hat mich an etwas mich erinnert, was ich vor einigen Tagen in einem anderen Blog gelesen habe: “Beziehung statt Erziehung“. Da ging es aber eigentlich um die Schule. Damals hab ich mir noch gedacht, wie richtig das klingt.

Lernt man leichter von jemandem, mit dem man eine Beziehung im weitesten Sinne hat? Nimmt man ein “Nein, das ist falsch“ lieber von jemandem an, den man mag? Und wie schaffe ich es als Lehrer, diese Beziehung in der Klasse/ im Kurs aufzubauen? Brauche ich dafür nicht ein Verständnis der Einzelpersonen, um sie einschätzen zu können oder um die beste Art zu finden, ihnen Feedback zu geben (humorvoll? direkt? mit Analogien? anderes Beispiel? Schritt für Schritt bewusstmachen?)? Und da Beziehung immer zweiseitig ist, müssen sich die Lernenden dann auch auf diese Ebene einlassen, damit das funktioniert? Hat bei meinem Tanzpartner die Beziehungsebene zu unserem Tanzlehrer irgendwie gefehlt – und hat er deswegen nicht versucht, dessen Ratschläge umzusetzen?

Vermutlich. Mein Unverständnis lässt sich nur so erklären: mein Verhältnis zu meinen Tanzlehrern ist freundschaftlich und ich bin vom Typ her eine “lernwillige“ Schülerin.

Wenn ich etwas unbedingt lernen möchte, ist es prinzipiell egal, wer mir etwas beibringt. Ich will etwas können und nehme das gegebene Feedback über Fehler als Stufe zum Beherrschen – vom Rhythmus, von der Figur/ Drehung, von federleichten Armen (still working on this one…!).
Es ist für mich aber auch zugegebenermaßen leichter, mich auf etwas Neues einzulassen, wenn ich das Gefühl habe, mein Lehrer/ Gegenüber bringt mir Wohlwollen entgegen und gibt mir das Gefühl, es ist ok, wenn es nicht beim ersten Mal klappt – z.b. die neue Drehung oder, im Unterricht, die neue Grammatik. Und mich durch den Prozess unterstützend begleitet.

Wohlwollen. Zuschauen, Beobachten. Verständnis für das Gegenüber. Richtige Art, Feedback zu geben. Mein Job als Lehrerin.

Lernbereitschaft. Neugierde. Zuhören. Sich darauf einlassen. Mein Job als (Tanz-)schülerin.

Erfrischender Perspektivenwechsel.

Author: carasmelody

daydreamer, hopelessly hopeful, I love the power of words, I love poems, words are soulfood

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