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Leidenschaft

Photo by Norexy on Pexels.com

Im August war ich mit meinem Freund auf dem Geburtstag seines ehemaligen Panflötenlehrers – ein Peruaner, der in Österreich lebt.

Es war ein Latino-Fest, wie man es sich vorstellt – laut, voller Musik, vieler Menschen, die alle fröhlich und offenherzig waren, mit viel viel gutem Essen (auch für veggies) und Menschen, die tanzten. Ich kannte niemanden und habe mich daheim gefühlt – was mir manchmal auf Festen mit meiner eigenen Familie/ guten Freunden nicht gelingt.

Ein Gespräch an diesem Abend ist bei mir geblieben – der Sohn des Geburtstagskindes und ich haben in der Türe im Gehen über Leidenschaft geredet. Ich weiß seinen Namen nicht, aber wir waren beide dabei, seinem Papa auf der Bühne zuzusehen, der um halb zwei Morgens noch endlos begeistert musizierte. Er sagte Leidenschaft ist eine Mischung aus Freude, Angst und Wut zur gleichen Zeit, und ohne die drei Komponenten gibt es keine Leidenschaft.

Irgendwie hat mich das beschäftigt und mir Klarheit über meine Leidenschaft zum Tanzen gebracht. 🙂 Ich tanze sehr gerne, am Liebsten eigentlich auf freien Latin Dance Nights und Veranstaltungen, in denen es keine Schrittfolge einzuhalten gibt, sondern ich tanze, was der Mann führt (oder ich meine, dass er führt, ihr wisst ja,….:P ). In jedem Fall ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich vor genau solchen Abenden zurückscheue und irgendwie öfters einen Schubbs von einem lieben Menschen brauche, dass ich dahin gehe. Sonst sitze ich daheim und denke, ach wäre es schön… ab und zu.

Warum? Angst. Angst, dass niemand mich auffordert (fun fact: im 21. Jahrhundert fordern auch Frauen auf!). Angst, dass ich nur mit meinem Freund tanze (als ob das eine Strafe wäre, oder ein Mangel – ich liebe es, mit ihm die Zeit zu vergessen und einfach nur zu spüren, wie er führt und wir gemeinsam tanzen – und wie oft machen wir das schon daheim?). Angst, dass ich nicht zu den besseren Tänzern gehöre. Logik Fehlanzeige, wie soll man zu den besseren Tänzern gehören, wenn man einige Stunden im Kurs verbringt und sonst nicht tanzt? Ist ja komplett nicht einleuchtend.. Hat Angst so an sich…

Zur Wut kann ich auch etwas sagen, oh ja. Ich bin gelegentlich doch a weng aufbrausend, und beobachte mich oft dabei, wie ich wütend auf mich selbst bin, wenn ich etwas nicht schnell genug lerne. Das betrifft hauptsächlich das Tanzen, denn ich WILL ja dazulernen und mich als Tänzerin entwickeln, und ich möchte gerne besser werden. Klappt das dann nicht, kommt es schon mal vor, dass ich frustriert bin.

Wie ihr also seht, hat der Latino, dessen Namen ich vergessen habe, definitiv ins Schwarze getroffen mit seiner Definition von Leidenschaft.

Unklar war mir die längste Zeit, was mir so eine Definition denn bringen soll, in meinem täglichen Leben? Ich habe immer noch nicht wirklich eine Antwort, außer die beiden:

Wenn ich wütend auf mich bin, weil ich etwas nicht schnell genug lerne, sollte ich mir Zeit und Gelegenheit zum Üben geben – daheim strümpfrig im Wohnzimmer, auf Tanzveranstaltungen, in Workshops, im Kurs. Und einfach noch mehr tanzen, dann klappt`s schnell automatisch.

Außerdem, wenn ich Angst habe zu einem Tanzabend zu gehen, wäre es vielleicht das Beste, dennoch zu gehen – denn die Freude, dort zu sein, überwiegt immer.

Author: carasmelody

daydreamer, hopelessly hopeful, I love the power of words, I love poems, words are soulfood

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