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Heimat & Daheim

oder: Ich bin eine Bergfee

Ich hab letztens meiner Mama erzählt, dass ich mich in unserer neuen Wohnung noch net ganz daheim fühl, sich das Gefühl jedoch mit jedem Tag verstärkt. Meine Mama hat daraufhin zu mir gesagt, dass mein Daheim immer bei ihnen daheim in Franken ist.

Irgendwie nicht.

Meine Heimat wird immer in Franken sein; wenn ich traurig bin, tröstet mich der fränkische Dialekt meiner Eltern und Schwester. Mein Elternhaus ist mir vertraut und zugleich fremd; der Rhythmus dort ebenso. Ich weiß, in den Keller sind es 13 Stufen, und dass die Treppe hinauf in den ersten Stock knarzt. Mein Platz am Esstisch ist der gleiche, und beim Fernsehschauen liege ich im rechten Sessel. Ich dusche lieber in der Badewanne dort, und wische noch immer gewohnheitsmäßig über die Ablage im Bad. In der Regel schlafe ich im Haus meiner Eltern tief und traumlos. Wenn ich durch die Stadt schlendere, winkt mir an ziemlich jedem Fleck eine Erinnerung entgegen, und ich muss meistens schmunzeln. Ab und zu schwelge ich mit Freundinnen in Erinnerungen an alte Zeiten. Gern gehe ich in mein ehemaliges Stammcafé zum Frühstücken mit einer Freundin, oder spaziere mit einer anderen Freundin die uns wohl bekannte Strecke am Fluss entlang. Ab und zu setze ich mich an die untere Brücke, schaue auf die Altstadt und trinke einen Kaffee. Ich weiß, ich kann in meiner Heimat jederzeit auftauchen, ob bei meiner Familie oder richtig guten Freunden, und alles ist gut, ich werde mit offenen Armen und einem Lächeln empfangen. Meine Eltern warten meistens schon an ihrer Bank vorm Haus auf mich und winken. Ich weiß auch, ich werde mich immer als Deutsche fühlen und möchte das nicht anders.

Daheim ist Vorarlberg und war es von Anfang an. Ich habe keine Wurzeln hier, und dennoch fühle ich mich geerdet. Hier gehöre ich hin. Ich fühle mich daheim am See und von Bergen umgeben, meine Seele kommt hier an und zur Ruhe. Ich mag, wie die Menschen hier zufrieden sind, und dass sie ihr Daheim schätzen. Ich mag all das Grün, und im Winter den vielen Schnee. Ich schätze, dass hier vielmals Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft selbstverständlich sind. Ich amüsiere mich noch immer über den Vorarlberger Dialekt und seine verschiedenen Ausprägungen – noch mehr bringt es mich zum Lachen, wenn Freunde auf einmal ins Hochdeutsch wechseln, wenn sie mit mir reden. Ich mag, dass man im Ländle fünf gerade sein lassen kann, und ich erst in den Unterricht loslaufe, wenn es klingelt (und nicht schon beim Klingeln in der Klasse stehen muss). Ich mag, dass viele Menschen hier exzentrisch sind und mit hoch erhobenem Kopf dazu stehen – innerlich applaudiere ich ihnen. Ich mag, dass der öffentliche Nahverkehr funktioniert und ich seit sechs Jahren mit Zug und Bus zur Arbeit pendle – ohne graue Haare wie bei der DB.😋 Ich mag, dass meine Freundinnen zwar traditionelle Werte haben, aber offen sind für Kinesiologie, Engel, Spiritualität, Coaching und persönliche Weiterentwicklung jeder Art (DANKE für euch!❤)Ich mag die Salsaszene hier, logisch. Ich mag den Geruch unserer gemeinsamen Wohnung, und dass mir die Katzen zur Tür entgegenlaufen, um mich zu begrüßen – manchmal sind sie schneller als mein Freund, oder sie rennen um die Wette.😺😘❤😺 Ich mag es, dass man sich beim Spazierengehen grüßt. Ich mag es, mit meinem Freund dienstags essen zu gehen, und die Kellnerin kennt uns und begrüßt uns schon freundlich, wie immer. Ich mag, dass ich mir die Welt hier selbst gewählt und aufgebaut habe, so wie sie mir gefällt.

Ich bin gerne daheim. Und ich bin gerne in meiner Heimat.

Author: carasmelody

daydreamer, hopelessly hopeful, I love the power of words, I love poems, words are soulfood

3 thoughts on “Heimat & Daheim”

  1. Ach du hast auch fränkischen Migrationshintergrund? Ja da schau her. 😄
    Für mich ist Franken schon lange nicht mehr Heimat. Das liegt aber auch daran, dass meine Familie von dort weggezogen ist, als ich noch nicht zur Schule ging.

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      1. Ja, das ist noch mal ein Unterschied.
        Das Dorf auf der Schwäbischen Alb, in dem meine Eltern jetzt leben, ist für mich auch nicht DIE Heimat.
        Ich würde sagen, ich habe mehrere Orte, an denen ich mich heimisch fühle.

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