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Lektion am Morgen: Grenzen

Am Montag im Zug: ich sitze im railjet in der Quiet Zone und träume. Um mich herrscht Stille. Die wenigen anderen Zugfahrenden lesen, hören Musik, schlafen. Es ist fast gespenstisch still, fein zum Aufwachen. Ich übe mich in Dankbarkeit.

Auftritt drei halbstarke männliche Zugefahrer, Marke ich-bin-zu-cool. Ergattern einen Vierer und sind, wie sie eben sind: laut. Machen sich noch über die Existenz der Quiet Zone lustig, lachen, rülpsen, und erzählen Geschichten, die keiner hören will.

Was machen die anderen im Abteil? Nichts.
Was mache ich? Rolle die Augen. Drehe mich ein paar Mal genervt um. Seufze und tu mir schließlich wohl oder übel Kopfhörer rein. Ausblenden, so gut es geht – schwierig, da ich die Musik ungern so laut höre, dass ich selbst von ihr genervt bin.

Auf den folgenden 30 Minuten Zugfahrt überlege ich mir mehrmals, aufzustehen und sie zu bitten, woanders hinzugehen. Wäre mein Recht in der Quiet Zone. Ich tue es nicht. Niemand tut es, wir alle lassen sie einfach machen – und leiden still und genervt.

Als ich aussteige, bin ich auf einmal wütend auf mich selbst. Ich wollte nichts sagen, und habe insgeheim gehofft, jemand anderer würde es tun. Ich hatte keine Lust, mich schon vor der Schule mit unerzogenen Halbwüchsigen herumzuärgern- in der Schule warteten eh genug. Ich wusste irgendwie auch nicht, was ich sagen sollte, denn offensichtlich wussten sie ja, dass ihr Verhalten falsch war, und haben es dennoch gemacht.
Warum?

Hm. Ich vermute, weil Jugendliche Grenzen brauchen, und niemand von uns hat sich die Mühe gemacht, diese zu setzen.

“Wenn der Klügere nachgibt, regieren die Dummen.“ (www.spruch-des-tages.org“) hab ich Sonntag in einem Cafè gelesen. Fragt sich, wer hier dumm war…

Ich wünschte, es wären mehrere auf einmal aufgestanden, und hätten die drei gebeten, die Quiet Zone zu respektieren, oder zu gehen. Ich wünschte, mein pädagogischer Erziehungsauftrag hätte auch für die drei gegolten und ich wäre eine davon gewesen, die aufstehen.

Ich wünsche mir, ich mache es das nächste Mal…

Author: carasmelody

daydreamer, hopelessly hopeful, I love the power of words, I love poems, words are soulfood

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